Hoyerswerda, den 30. September 2026. Am 4. Oktober ist Welttierschutztag. Ein Tag, der die besondere Verantwortung der Menschen gegenüber Tieren bewusst machen soll. Im Zoo Hoyerswerda bedeutet das Artenschutz auch über Ländergrenzen hinaus. Ende August hat ein Springtamarin den Zoo Hoyerswerda verlassen. Sein Ziel: Singapur. Eine Reise, die auf den ersten Blick ungewöhnlich erscheint. Warum sollte ein kleines Äffchen mehrere tausend Kilometer zurücklegen, wenn es doch auch in seinem bisherigen Zoo bleiben könnte?
„Nicht immer ist der beste Platz für ein Tier dort, wo es geboren wurde. Manchmal ist sein wichtigster Beitrag zum Artenschutz viele hundert oder sogar tausende Kilometer entfernt“, erklärt Eugène Bruins, Zoologischer Leiter.
Für viele Zootiere endet ihre Bedeutung nicht an den Grenzen ihrer eigenen Einrichtung. Sie sind durch Zuchtprogramme der EAZA (European Union of Zoos and Aquaria) Teil einer weltweit vernetzten Population. Wenn ein Tier den Zoo wechselt, kann das deshalb ein wichtiger Schritt für den langfristigen Erhalt seiner Art sein. Der Springtamarin ist dabei nicht das einzige Tier, das in diesem Jahr aus dem Zoo Hoyerswerda auf eine internationale Reise gegangen ist. Bereits im April zog Leopardin Nala nach Frankreich, im Frühjahr reiste ein Gürteltier nach England. Demnächst wird der Ara-Nachwuchs nach Schweden und England gehen. Vier unterschiedliche Tierarten, vier unterschiedliche Ziele und doch steckt hinter allen Transporten dasselbe Prinzip: Zoos arbeiten über Ländergrenzen hinweg zusammen, um langfristig (genetisch) gesunde Tierpopulationen zu erhalten.
Ein Tier, das heute den Zoo Hoyerswerda verlässt, kann morgen in einer anderen Einrichtung Teil einer neuen Gruppe werden. Vielleicht bekommt es dort Nachwuchs. Vielleicht trägt es dazu bei, eine bisher wenig vertretene genetische Linie zu erhalten. Und vielleicht profitieren von dieser Zusammenarbeit irgendwann sogar Schutzprogramme in den natürlichen Lebensräumen der jeweiligen Art.
Gemeinsam statt allein: Populationen weltweit denken
Viele Tierarten können in Zoos nicht in ausreichend großen Populationen an einem einzigen Standort gehalten werden. Erst durch die Zusammenarbeit zahlreicher Zoos entsteht eine Population, die groß genug ist, um ihre genetische Vielfalt langfristig zu bewahren.
Der sogenannte One Plan Approach der Weltnaturschutzunion IUCN geht noch einen Schritt weiter: Populationen in menschlicher Obhut und Wildpopulationen werden als miteinander verbundene Teile eines Gesamtsystems betrachtet. Damit werden Zoos zu einem Bestandteil internationaler Artenschutzstrategien. Voraussetzung dafür sind koordinierte Zuchtprogramme, wissenschaftlich fundiertes Populationsmanagement, Monitoring und langfristige internationale Partnerschaften.
Ein Transport ist mehr als eine Reise
„Als mittelgroßer Zoo sind wir stolz, dass unsere Nachzuchten nicht nur europaweit, sondern sogar weltweit Zoologische Einrichtungen unterstützen“, sagt Eugène Bruins. Für Besucherinnen und Besucher ist ein Tiertransport meist nur für einen kurzen Moment sichtbar: Eine Transportbox wird vorbereitet, ein Tier wird verabschiedet und schließlich beginnt die Reise. Hinter jedem nationalen oder internationalen Tiertransport stehen umfangreiche Vorbereitungen. Tierärztliche Untersuchungen, Transportplanung, behördliche Vorgaben und die Abstimmung zwischen den beteiligten Einrichtungen müssen berücksichtigt werden. Fun Fact: Für den Transport nach Singapur sind insgesamt 137 Mails zwischen Singapur und Hoyerswerda geschrieben worden. Der internationale Tiertransport ist deshalb nicht einfach eine Reise von A nach B. Er ist ein Teil des Plans für das Überleben einer Art.